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- Hoffnung aus dem Gen-Labor
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- Psoriasis: Haut und Gelenke heilen
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- Weg von Schnitzel, Pommes & Co
- Wundversorgung
Weltweit leiden derzeit ca. 150 Millionen Menschen an Diabetes, alleine in Österreich rund eine halbe Million. Die Anzahl der Betroffenen hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen, wobei auch immer mehr jüngere Menschen betroffen sind.
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Die diabetische Nervenerkrankung
Die Lebensweise und die Ernährung unserer Gesellschaft haben sich in den letzten Jahrzehnten grundsätzlich geändert. Ein Überkonsum von Fett, Fleisch und Zucker sowie ein genereller Mangel an Bewegung und Sport fördern das Auftreten von Zivilisationskrankheiten wie hoher Blutdruck, hohe Blutfette, allgemeine Gefäßverkalkung und natürlich Diabetes mellitus, die Zuckerkrankheit.
Da hohe Blutzuckerspiegel lange Zeit keinerlei Beschwerden verursachen, werden sie von den Betroffenen oft jahrelang nicht wahrgenommen. Meist kommt erst bei einer routinemäßig durchgeführten Kontrolluntersuchung die Erkrankung ans Tageslicht. Doch genau darin liegt das besonders Tückische an der Zuckerkrankheit. Hohe Blutzuckerspiegel verursachen im Augenblick keine Schmerzen. Unbehandelt führen sie jedoch zu einer Schädigung von diversen Organen wie Nieren, Augen, Blutgefäßen und auch unserer Nerven.
Polyneuropathie
Die diabetische Nervenerkrankung ist eine Folgeerkrankung des Diabetes mellitus. Infolge krankhafter Veränderungen kleinster Butgefäße, welche die Nerven versorgen, sowie durch eine Störung des Sorbit-Stoffwechsels kommt es zu Schädigungen von Nerven. Je länger eine Zuckerkrankheit besteht und je schlechter die Werte eingestellt sind, desto häufiger tritt eine Polyneuropathie auf.
Die Nervenschädigung geht sehr langsam voran und sollte natürlich so früh wie möglich erkannt werden.
Früherkennung wichtig
Das erste Anzeichen einer Nervenschädigung ist oft ein Kribbeln an den Füßen und an den Unterschenkeln. Gelegentlich kann dieses Kribbeln an den Händen auftreten. Auch ein strumpfförmiges, pelziges Gefühl in den Füßen oder ein "Ameisenlaufen" wird häufig geschildert.
Wird in diesem Stadium der Krankheit nicht behandelt, treten brennende Schmerzen, Wadenkrämpfe und Muskelschwäche an den Füßen und Beinen auf. Diese Beschwerden verstärken sich bei Ruhe und können nachts so stark werden, dass der Diabetiker die Bettdecke auf den Füßen nicht mehr ertragen kann.
Wird die Erkrankung immer noch nicht behandelt, gehen die Symptome langsam in ein Taubheitsgefühl über. Der Diabetiker spürt dann seine Füße nicht mehr.
Dies ist nicht nur ein unangenehmes, sondern auch ein besonders gefährliches Stadium der Erkrankung. Denn kleine Verletzungen, zu enges Schuhwerk oder zu heiße Temperaturen beim Fußbad werden nicht mehr wahrgenommen und führen infolge der gleichzeitig herabgesetzten Heilungskräfte zu schweren Fußverletzungen und nicht heilenden Wunden.
Deshalb ist es besonders wichtig, dem behandelnden Arzt die ersten Anzeichen einer Nervenschädigung mitzuteilen. Denn nur durch eine rechtzeitige Diagnose und effiziente Therapie können bleibende Schäden verhindert werden.
Exakte Diagnose
Die Diagnostik umfasst eine gründliche neurologische Untersuchung. Dazu gehören das Testen von Berührungs- und Schmerzempfinden, der Muskelkraft sowie der Reflexe an Armen und Beinen. Bei der klinischen Untersuchung fallen zuerst meist Ausfälle im Vibrationsempfinden auf, die mittels eines Stimmgabeltests erkannt werden. Auch Störungen des Schweißverhaltens an den Füßen sind charakteristisch. Schlussendlich kommt es zur Abschwächung von Reflexen und der eigenen Muskelkraft.
Die Missempfindungen und klinischen Ausfälle treten meist socken- und strumpfförmig an beiden Füßen auf.
Nervenleitgeschwindigkeit und elektrische Muskeltests sichern die Diagnose, können aber im Anfangsstadium durchaus noch normal sein.
Sehr oft findet sich auch eine Beteiligung des vegetativen Nervensystems, die sich in Herzrhythmusstörungen, Blutdruckschwankungen, Verdauungsstörungen, Störungen beim Harnlassen und Impotenz äußert.
Doch so weit darf es erst gar nicht kommen. Durch eine optimale Blutzuckereinstellung und dank neuester Medikamente können ernsthafte Schäden verhindert werden.
Optimale Blutzuckereinstellung notwendig
Eine ideale Blutzuckereinstellung beim Diabetiker ist der entscheidende Faktor, um ein rasches Fortschreiten der Polyneuropathie zu verhindern. Eine effektive Blutzuckereinstellung wird durch eine Kombination verschiedenster diätetischer Maßnahmen, Gewichtsreduktion, einem körperlichen Trainingsprogramm und Ausdauersport sowie durch Einnahme von blutzuckersenkenden Medikamenten erzielt. Je stärker der Blutzucker von den Idealwerten abweicht, umso wahrscheinlicher ist es, daß sich mit der Zeit eine diabetische Polyneuropathie entwickelt. Deshalb ist es notwendig, dass Diabetiker ihren Blut- und Harnzucker regelmäßig zu Hause kontrollieren. Diabetiker sollten auch regelmäßig ihre Füße nach kleinsten Verletzungen untersuchen und gründlich pflegen.
Thioctsäure
Ist eine Nervenschädigung schon eingetreten, sollte unbedingt mit Thioctsäure behandelt werden. Es handelt sich dabei um einen körpereigenen Stoff, der am Zuckerstoffwechsel beteiligt ist und bei Diabetikern vermindert vorkommt. Thioctsäure hat entzündungshemmende Eigenschaften und schützt so die Nervenfasern.
Um ausreichende Mengen dieser schützenden Substanz schnell an die Nerven zu bringen, sind anfänglich Infusionen über ca. drei Wochen notwendig. Durch die anfangs hochdosierte intravenöse Gabe sollten sich Schmerzsymptomatik und Sensibilitätsstörungen rasch bessern. Hat sich ein Therapieerfolg eingestellt, steigt man auf Tabletten um, damit sich der therapeutische Effekt der Infusionen stabilisiert.
Zusätzlich können die neurotropen B-Vitamine verabreicht werden.
Bei ausgeprägten Formen von Polyneuropathie kommen diverse Schmerzmittel, Antidepressiva und Neuroleptika zum Einsatz.
Auch physikalische Therapiemethoden wie kalte und warme Wickel, Wechselbäder und Kneippsche Güsse können das Schmerzbild erleichtern.
In schweren Fällen wird mit Lokalanästhetika behandelt. Das sind örtliche Betäubungsmittel, die sowohl an die Nervenwurzeln, in größere Blutgefäße oder als Infusion verabreicht werden können.
Trotz guter therapeutischer Möglichkeiten darf man eines aber nicht vergessen: Die Ursache der Nervenschädigung ist und bleibt eine schlechte Blutzuckereinstellung. Helfen Sie mit, optimale Blutzuckerwerte zu erreichen. Ihre Gesundheit und Ihre Nerven werden es Ihnen danken.
www.dr-schwingenschloegl.at
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RICHTIGE ERNÄHRUNG BEI HYPERTONIE
Ein Viertel der Österreicher leidet an Bluthochdruck. Aber nur die Hälfte weiß es auch. Geänderte Lebensumstände mit erhöhtem Stress, Bewegungsmangel, Übergewicht sowie erhöhtem Kochsalz- und Alkoholkonsum begünstigen die weite Verbreitung von hohen Blutdruckwerten.
Das besonders Tückische an der Hypertonie ist die Tatsache, dass viele Menschen keinerlei Beschwerden haben, die im direkten Zusammenhang mit ihrem Hochdruck stehen. Deshalb werden hohe Blutdruckwerte von vielen Betroffenen immer noch verharmlost. Heute weiß man aber, dass Hypertonie und Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Nierenversagen und Schlaganfall direkt miteinander zusammenhängen.
Neue Richtwerte
Bluthochdruck beginnt heute laut aktuellen Richtlinien bei 140/90 mm Hg und das unabhängig vom Alter des Patienten. Der optimale Blutdruck liegt bei 120/80 mm Hg.
Grundsätzlich sollte man sich bei Verdacht auf arterielle Hypertonie nicht auf Einzelmessungen beschränken, sondern ein 24-Stunden-Blutdruck-Monitoring durchführen. Zusätzlich sollte bei jedem Hypertoniker ein Belastungs-EKG (Ergometrie) gemacht werden. Aus diesen Untersuchungen ergeben sich wichtige Hinweise auf Schweregrad und Therapiemöglichkeiten.
Hoher Blutdruck macht krank
Menschen mit hohem Blutdruck haben oft keine oder nur sehr uncharakteristische Symptome.
Die häufigsten von Patienten vorgebrachten Beschwerden sind:
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Ohrensausen
- Nervosität
- Nasenbluten
- Schmerzen im Brustbereich
- Atemnot und Kurzatmigkeit bei Belastung
Unbehandelt oder unzureichend behandelt führen erhöhte Blutdruckwerte zu Folgeerkrankungen wie:
- Durchblutungsstörungen des Herzens wie Angina pectoris bis hin zum Herzinfarkt
- Herzschwäche bis hin zum Herzversagen
- Schlaganfälle
- Augenhintergrundveränderungen, die bis zur Erblindung führen können
- Nierenveränderungen bis hin zum Nierenversagen
- Durchblutungsstörungen der Beine
Neben Vererbung sind vor allem verschiedene Ernährungsfaktoren für das Entstehen von Bluthochdruck verantwortlich. Hohe Kochsalzzufuhr, kalorische Überernährung und Alkoholkonsum sind zu nennen, die unabhängig voneinander blutdruckwirksam sind. Diskutiert werden auch ein zu geringer Konsum von Ballaststoffen und ungesättigten Fettsäuren.
Wirksame Diätprinzipien:
- Salzgehalt der Nahrung senken: Durch natriumhaltige Konservierung vieler Lebensmittel zwingt uns die Industrie einen hohen Kochsalzkonsum auf.
In fast allen Nahrungs- und Genussmitteln ist Salz enthalten, sodass der Durchschnittsbürger täglich zwischen 12 und 15 g Kochsalz verzehrt, während 5 bis 6 g voll ausreichen würden, um den Mineralverlust durch Schwitzen und die Harnausscheidung auszugleichen.
Brot, Wurst, Käse und Fertiggerichte weisen meist einen besonders hohen Kochsalzgehalt auf. Da Kochsalz auf den meisten Fertigprodukten nicht direkt ausgewiesen ist, müssen Sie sich am Natriumgehalt orientieren. 400 mg Natrium entspricht dabei ca. 1g Kochsalz. Bei der Selbstzubereitung von Speisen stehen zahlreiche Küchenkräuter und Gewürze zur Verfügung, die es erlauben, auch ohne Salz eine schmackhafte Kost herzustellen. So ist der Salzgehalt der Nahrung auch eine Gewohnheitssache. "Salzig" ist eine eigene Geschmacksqualität an unserer Zunge. Schrittweise kann der Körper vom Kochsalz entwöhnt werden, ohne dass wir etwas vermissen. - Salzarme Mineralwässer: Mineralwasser kann sehr unterschiedliche Mengen an Natrium erhalten, was oft nicht beachtet wird. Sorten mit einem Natriumgehalt von mehr als 350mg/l sind ungünstig. Für den Hypertoniker geeignet sind Wässer mit weniger als 20 mg Natrium pro Liter.
- Einschränkung der Energiezufuhr bei Übergewicht: Übergewicht ist eng mit Bluthochdruck verbunden. Eine kalorienreduzierte abwechslungsreiche Mischkost von 1000 bis 1500 kcal pro Tag in Verbindung mit einem regelmäßigen Bewegungsprogramm zeigt langfristig die besten Erfolge.
- Alkoholkonsum einschränken: Bei 10% der Hypertoniker ist Alkohol alleine für den hohen Blutdruck verantwortlich. Bei einer Zufuhr von unter 20 g Alkohol pro Tag scheint das Risiko gering zu sein. Ein Achtel Liter Wein ist also gerade noch erlaubt, mehr aber nicht.
- Sport: Regelmäßiges Ausdauertraining wie z. B. Wandern, Radfahren, Joggen, Schilanglauf oder Schwimmen hilft den Blutdruck zu senken. Gewichtheben, Bodybuilding oder Extremsportarten können dagegen zu unerwünschten Blutdruckspitzen führen. Ein Herz-Kreislauf-Belastungstest vor Trainingsbeginn zeigt Ihnen die optimale Herzfrequenz zum Sport.
- Hohe Zufuhr von Kalium, Magnesium, Kalzium, Vitaminen und Ballaststoffen. Den Konsum von Fett generell einschränken. Vor allem tierische Fette in Fleisch, Wurst und fetten Milchprodukten weniger konsumieren. Dafür mehr pflanzliche Öle und Fette mit einem hohen Anteil von ungesättigten Fettsäuren.
- Fisch mit einem hohen Gehalt an Omega-3- und -6-Fettsäuren sollten Sie reichlich essen. Von Fischkonserven ist aufgrund des hohen Salzgehaltes dagegen abzuraten.
- Kaffee und Tee sind in Maßen erlaubt.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr von 1,5 bis 2 Liter pro Tag, im Sommer und bei Sport natürlich mehr: Wasser, Mineralwasser sowie frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte sind gesunde Durstlöscher.
Tagesvorschlag:
Frühstück: Getreideflocken mit magerem Joghurt und frischem Obst (besonders pektinreich Apfel, Beeren, besonders kaliumreich Bananen) oder 2 Stück Vollkorngebäck mit 1 TL Margarine > 50 % Linolsäure und Marmelade oder Honig oder Magertopfen, Radieschen, Tomaten, Paprika etc.
1 Glas Fruchtsaft
Mittag: frischer Salat, Fisch oder Fleisch (2 x pro Woche), mit Gemüse ergänzen oder Gemüsegericht z. B. Gemüsespaghetti, Gemüserisotto, Gemüsegulasch, Eintopfgerichte
Als Dessert: ideal Obst frisch, in Kompottform, Mus, Saft oder Fruchtsalat. Joghurtmousse mit Früchten, Früchte-Tiramisu, Bratapfel, Fruchtreis etc.
Abend: wenn kaltes Abendessen, dann ähnlich wie Frühstück mit ab und zu auch magerem gekochten Schinken oder ein warmes Gemüsegericht z.B. Gemüseaufläufe oder Kartoffelgerichte (besonders reich an Kalium)
Zwischendurch: magere Sauermilchprodukte (Topfen, Joghurt, Buttermilch, Molke) mit Früchten oder Obst oder Rohkost z. B. Radieschen, Gurkenscheiben, Karotten etc.
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WENN DER GANZE KÖRPER SCHMERZT
Das Fibromyalgie-Syndrom
Dieses Syndrom ist ein eigenständiges Krankheitsbild, welches durch großflächige Schmerzen am ganzen Körper mit zusätzlichen typischen Druckschmerzpunkten charakterisiert ist. Fibromyalgie ist eine typische rheumatische Erkrankung und wird zum Formenkreis des Weichteilrheumatismus gezählt.
Die Krankheit befällt vorwiegend Frauen, hauptsächlich im Alter zwischen 35 und 55 Jahren. Aber auch Männer werden von dieser heimtückischen Erkrankung immer häufiger befallen. So leiden 10 bis 20 % der Gesamtbevölkerung immer wieder an Beschwerden der Weichteile. Darunter versteht man unsere Muskeln, Sehnen, Schleimbeuteln und das Bindegewebe. Die Dunkelziffer der Betroffenen dürfte allerdings wesentlich höher liegen, da viele Menschen nicht zum Arzt gehen oder nicht ernst genommen werden.
Charakteristische Beschwerden
Großflächige Schmerzen: ausgedehnte, flächenhafte Muskelschmerzen mit oft wechselnder Lokalisation. Hauptsächlich an der Wirbelsäule und den Extremitäten. Manchmal "schmerzt es überall", häufig durch Stress, Kälte und körperliche Betätigung beeinflusst und von Steifheit und subjektiv wahrgenommenem Anschwellen der Extremitäten begleitet. Zusätzlich brennende Hautschmerzen.
Typische Druckpunkte (Tender Points): durch mäßigen Fingerdruck an bestimmten Punkten wird ein starker Schmerz ausgelöst. Charakteristisch sind Punkte am Hinterhaupt und unterem Nackenbereich, an der Schultermitte, am Brustbein, an den vorstehenden Punkten am Ellbogengelenk, an der Gesäßmuskulatur, über dem Hüftknochen sowie im Bereich des Kniegelenkspaltes.
Müdigkeit und Erschöpfung: sie sind verschieden stark ausgeprägt, oft extrem und treten häufig bereits nach minimalen körperlichen und geistigen Belastungen auf.
Schlechter Schlaf mit Schwierigkeiten beim Einschlafen, oftmaliges Aufwachen in der Nacht, sodass man am Morgen völlig erschöpft erwacht.
Schmerzen und Müdigkeit sind oft so stark, dass die Betroffenen kaum noch arbeitsfähig sind. Viele Patienten können die normalen Arbeiten im Haushalt nicht mehr verrichten oder müssen ihren Job aufgeben.
Psychische Störungen wie depressive Verstimmung, Angstgefühle, emotionale Labilität.
Mannigfaltige Begleitsymptome: Kopfschmerzen, Reizdarm, kalte Extremitäten, trockener Mund, Herzklopfen, Zittern, Engegefühl beim Schlucken, Reizblase und Kreislaufschwierigkeiten. Viele dieser Beschwerden weisen auf eine erhöhte Aktivität des sympathischen Nervensystems hin.
Fibromyalgie kann die Lebensqualität des Patienten in einem sehr hohen Maß beeinträchtigen.
Das Tückische an der Fibromyalgie ist aber, dass selbst bei oft sehr ausgeprägten Beschwerden alle Untersuchungen wie Labor, Röntgen oder Ultraschall völlig unauffällig sind.
Weichteilrheumatismus lässt sich nur durch eine gründliche klinische Untersuchung eindeutig feststellen. Der Arzt muss den Patienten angreifen, die Funktionsfähigkeit von Muskeln und Gelenken prüfen und die Tender Points testen. Diese Untersuchungen in Kombination mit der Krankengeschichte der Betroffenen ergibt die Diagnose. Natürlich müssen ähnlich verlaufende Erkrankungen aus dem entzündlich rheumatischen Formenkreis oder Stoffwechselstörungen der Muskulatur ausgeschlossen werden.
Über Ursache und Entstehung der Fibromyalgie sind zurzeit nur wenige Fakten bekannt. Es wird angenommen, dass verschiedene genetische und familiäre Faktoren eine Rolle spielen. Es konnte bereits nachgewiesen werden, dass Gene, die für die Hormonproduktion im Gehirn verantwortlich sind, bei dieser Erkrankung nicht richtig funktionieren.
Therapeutische Ansätze
Für die Behandlung der Fibromyalgie gibt es leider immer noch kein Wundermittel, aber dennoch eine Vielzahl von durchaus erfolgreichen Therapien. Die Kombination unterschiedlicher Behandlungen wie der Einsatz moderner Medikamente, physikalische Therapien, psychologische Maßnahmen sowie eine Patientenschulung und Erziehung im Umgang mit ihrer Erkrankung hat sich am besten bewährt.
- Schmerztherapie
Schmerzstillende Medikamente wie Antirheumatika und Analgetika sind in allen Phasen der Fibomyalgie unverzichtbar. Antirheumatika wirken zugleich auch entzündungshemmend. Eine breite Palette von Medikamenten steht für die orale Anwendung (also zum Schlucken) oder als Zäpfchen zur Verfügung.
Bei akuten Schüben hat sich die zyklische Gabe von Schmerzinfusionen kombiniert mit hochdosiertem Vitaminkomplex besonders bewährt.
Wer längerfristig Antirheumatika einnimmt und magenempfindlich ist, sollte immer einen Magenschutz gleichzeitig zu sich nehmen. Auch die neue Generation der Antirheumatika, die so genannten Coxibe, kommt bei Magenproblemen zum Einsatz.
Muskelentspannungsmittel eignen sich besonders bei starken Verkrampfungen und Verspannungen der Muskulatur. Diese Medikamente sollten abends eingenommen werden, da sie müde machen können. Als positiver Nebeneffekt kommt es zu einer deutlichen Schlafverbesserung.
Wenn mit den genannten Präparaten keine ausreichende Schmerzreduktion erzielt wird, kann durchaus die Verwendung von schwachen und starken Opioiden erwogen werden. Speziell die Applikation von morphinhältigen Schmerzpflastern wird gut toleriert. - Antidepressiva
Chronische Schmerzen führen zu einer Verarmung verschiedener hormonähnlicher Substanzen in unserem Gehirn und machen damit auf lange Sicht auch depressiv. Damit ist der Einsatz von Antidepressiva seit Jahren erfolgreich etabliert. Behandelt wird nicht, weil die Fibromyalgie die Folge einer Depression ist, sondern weil der Hormonmangel die Beschwerden noch verstärkt. Schmerzlinderung, Stimmungs- und Schlafverbesserung treten nach zirka drei Wochen ein.
Unterschieden wird zwischen stimmungsaufhellenden und antriebssteigernden Medikamenten, die man morgens einnimmt, und eher schlaffördernden und entspannenden Substanzen, die man vorwiegend abends schluckt. - Lokale Infiltrationen mit Lokalanästhetika
Bei dieser Therapie wird an entzündete Sehnenansätze, an die Tender Points oder in stark verhärtete Muskeln eine kleine Menge eines entzündungshemmenden Medikaments gespritzt. Diese Therapie ist speziell bei ausgeprägten Druckschmerzpunkten äußerst effizient. - Tropisetron
Es handelt sich bei diesem Medikament um einen Serotonin-Rezeptorenblocker, der bei Fibromyalgie-Patienten mit gutem Erfolg eingesetzt wird. Über die Anhebung des Serotoninspiegels im Gehirn werden die Symptome leichter. Die Gabe erfolgt intravenös als Zyklus von zehn Injektionen, anschließend nach Bedarf. - Pregabalin
Dieses Medikament verhindert die Freisetzung von schmerzstimulierenden Botenstoffen im Gehirn und beruhigt hyperaktive Schmerzsysteme. Studien zufolge wirkt sich eine Dosierung von 150 bis 600 mg pro Tag auf Schmerz, Müdigkeit, Schlaf- und Lebensqualität gut aus. - Central sensizitation
Dieses neue Konzept sieht die intravenöse Verabreichung von Lokalanästetika oder schwachen Narkosemitteln in kleiner Dosierung über mehrere Tage vor.
In Studien war darauf eine deutliche Schmerzerleichterung feststellbar. - Bewegung, Heilgymnastik
Bewegung ist ein wichtiger Teil des Rehabilitationsprogramms. Verstärkte Bewegung erhöht die Muskelkraft und die Beweglichkeit. Sie hilft auch bei der Verbesserung der Körperhaltung, stärkt die körperliche Fitness und fördert das Wohlbefinden. Während Trockenübungen sich auf die Muskelstärke positiv auswirken, ist die Unterwassergymnastik für seine ausgezeichnete Wirkung auf Schmerz und Psyche bekannt. Die Kombination beider Maßnahmen ist daher äußerst sinnvoll, wobei jedes Training immer ganz behutsam begonnen werden sollte, um Überlastungen der Patienten zu vermeiden.
Da Fibromyalgie-Patienten sehr empfindlich sind, sollte stets einer Einzelheilgymnastik oder Kleingruppen der Vorzug gegeben werden. Körperselbstwahrnehmungsprogramme haben zuletzt äußerst gute Erfolge erzielt. Der Patient lernt hierbei mit seinem Körper und seiner Energie besser umzugehen. - Physikalische Therapien
Lokale Wärmebehandlungen mit Packungen, Galvanisation, Ultraschall und Massagen können den Heilungsprozess erheblich beschleunigen.
Da Fibromyalgie-Patienten immer wieder Wassereinlagerungen im Gewebe aufweisen, werden durch manuelle Lymphdrainagen der Gewebedruck und damit die Schmerzen erheblich reduziert. Starke Massagen und Strombehandlungen werden in vielen Fällen nicht gut vertragen. Bei der Fibomyalgie gilt oft: Weniger ist mehr! - Thermalkuren
Heilwässer haben durch die im Wasser gelösten besonderen Elemente als auch durch ihre natürliche Wärme einen Heileffekt bei vielen rheumatischen Erkrankungen. Die Anwendung in Verbindung mit physikalischen Therapiemaßnahmen und Unterwassergymnastik bringt den Betroffenen oft große Fortschritte. - Akupunktur
Dieses seit Jahrtausenden bestehende Heilverfahren hat sich auch bei der Behandlung der Fibromyalgie hervorragend bewährt. Im Sinne der Ganzheitsmedizin wird ein Ausgleich im Gesamtenergiehaushalt des Körpers und damit eine Schmerzlinderung bewirkt. Begleitende diätetische Maßnahmen stärken die Grundenergie im Körper. Auch andere alternativmedizinische Therapien wie Neuraltherapie und Chiropraktik können die Beschwerden oft deutlich lindern. - Magnetfeldtherapie
Über eine verbesserte Sauerstoffversorgung des Körpers und Abtransport von Stoffwechselschlacken ergibt sich oft eine erstaunliche allgemein wohltuende Wirkung und Schmerzlinderung.
Das Magnetfeld bewirkt eine Harmonisierung aller Stoffwechselvorgänge im Organismus und greift günstig in unser Immunsystem ein.
Gerade die Kombination von lokalen Infiltrationen mit anschließender Applikation eines Magnetfeldstabes (=konzentriertes lokales Magnetfeld) erhöht erstaunlich die Ansprechrate beider Therapien. - Stressbewältigung
Stress kann in der Entstehung der Krankheit eine Schlüsselrolle spielen. Den Patienten wird empfohlen, selbst an der Bewältigung von Stress und anderen widrigen Umständen zu arbeiten. Oftmals ist es wichtig, auch die Familienmitglieder in die Therapie einzubeziehen.
Begleitende psychotherapeutische Behandlungen, wobei im Vordergrund Patientenaufklärung und Schulung stehen, verbessern die Akzeptanz der eigenen Erkrankung. - Homöopathie
Der Einsatz von stark verdünnten und pflanzlichen Essenzen hat zunehmend mit großem Erfolg in unsere Praxen Einzug gehalten. Auch bei Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom werden diese Substanzen verwendet und stellen sowohl eine Ergänzung als auch Alternative zur klassischen Schulmedizin dar. - Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga und Qi Gong runden das Therapiekonzept ab.
Jeder Fibromyalgiepatient braucht ein individuell geschneidertes Therapieprogramm. In den meisten Fällen ist eine Kombination aus verschiedenen Maßnahmen erforderlich und eine gute Arzt-Patienten-Beziehung von wesentlicher Bedeutung.
Dank einer Vielzahl von therapeutischen Möglichkeiten kann den Betroffenen heute effektiv geholfen werden.
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Ein Löffel für Mama ...
Nicht nur bei den Erwachsenen, auch bei den Kindern läuft bei der Ernährung einiges schief. Doppelt schlimm, denn Essstörungen und Übergewicht nehmen die Kinder oft ins Erwachsenenleben mit.
Gegensätze beherrschen unser Leben – so auch bei der Ernährung unserer Kinder. Sowohl Essstörungen als auch Übergewicht sind Zeichen unserer Wohlstandsgesellschaft. Der richtige Umgang mit Nahrung wird dabei völlig aus den Augen verloren. Essstörungen treffen vor allem junge Mädchen ab der Pubertät, Übergewicht hat leider keine Altersuntergrenze.
Die meisten Eltern wissen aus leidvoller Erfahrung, dass Kinderernährung kein Kinderspiel ist. Um Kinder möglichst gesund zu ernähren, ist ein gewisses Maß an Ernährungserziehung unbedingt notwendig. Leider wird Essen oft als Erziehungsmittel missbraucht. Eine Schokolade, weil die Kinder brav waren, ein kleines Eis als Trostpflaster – und schon ist man mitten drin, in einer Ernährungsgewohnheit, die man auch als Erwachsener nicht mehr los wird. Falsche, fett- und zuckerreiche Ernährung im Kindesalter führt fast immer zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Die unangenehme Wahrheit: In Österreich ist bereits jedes vierte Kind übergewichtig. In Wien zeigte eine Studie, dass 12 bis 22 Prozent der 10- bis 15-Jährigen übergewichtig und 5 bis 11 Prozent krankhaft fettsüchtig sind. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass diese Kinder später an Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen
(z. B. Diabetes) erkranken. "Man muss in jedem Fall den Hebel früher ansetzen – nur Wissen über gesunde Ernährung hilft, dass Übergewicht erst gar nicht entsteht", so Mag. Sabine Dämon, Ernährungswissenschafterin an der Kinderklinik der Medizinischen Universität Wien.
Schon bei den 10-Jährigen ist laut dem österreichischen Ernährungsbericht von 2003 die Nahrungsmittelauswahl mehr als bedenklich. Zu wenig Gemüse, Brot, Nudeln, Reis, Obst, Fisch und Milchprodukte. Dafür viel zu viel Wurst, Süßigkeiten und Knabbereien. In Wien wurde von der Abteilung Ernährungsmedizin und Prävention der Medizinischen Universität Wien ein Gesundheitsprojekt zur Vermeidung von Übergewicht durchgeführt – PRESTO. Die Schulen wurden über einen Zeitraum von 12 Wochen regelmäßig besucht und die Kinder über Ernährung, Bewegung und Gesundheit informiert. PRESTO hat eindrucksvoll gezeigt, dass sich das Wissen der Kinder über gesunde Ernährung in diesem Zeitraum deutlich verbessert hat. Die SchülerInnen und LehrerInnen zeigten großes Interesse und wünschten sich eine Fortsetzung des Projektes. Leider ist derzeit aus finanziellen Gründen keine Weiterführung in Sicht. "Es wäre aber unbedingt erforderlich, das Wissen der Kinder über Ernährung und Bewegung zu erweitern. Ein Gesundheitsfach – etwa Ernährung kombiniert mit Sport – wäre eine echte Investition in die Zukunft", so Dämon. Denn Kinder essen nicht nur falsch, sie machen auch viel zu wenig Bewegung.
Regelmäßige körperliche Aktivität ist ein unentbehrlicher Bestandteil bei der Verhinderung von Zivilisationskrankheiten. Der natürliche Bewegungsdrang der Kinder muss unbedingt gefördert werden. Leider wird er viel zu oft von Computer und Fernseher eingeschränkt. Nur 30 Minuten Bewegung am Tag reichen zur Vorbeugung aus. Während Erwachsene durchaus Spaß daran haben, jeden Tag zu joggen – Kinder sehen das anders. Ihnen sollten möglichst abwechslungsreiche Bewegungsmöglichkeiten gegeben werden, sonst wird es schnell langweilig oder lästig. Es müssen ja nicht gleich vier verschiedene Sportklubs sein, Ballspielen, Radfahren, Schwimmen und Co reichen völlig. Die Bewegung findet man deshalb – neben den Getränken – auch an der Basis der "Gesund leben"-Pyramide, die von der Abteilung Ernährungsmedizin und Prävention konzipiert wurde.
Wie man es besser macht
Grundsätzlich gelten für Kinder die gleichen Regeln wie für Erwachsene. Die Basis der Ernährung sollten Kohlenhydrate bilden (also Reis, Brot, Nudeln, Kartoffeln), dazu am Tag optimalerweise fünf Portionen Obst oder Gemüse (als Portion gilt hier, was in eine Hand passt). Danach kommen Fisch und Milchprodukte bzw. Öl und fettreiche Lebensmittel an der Spitze der Pyramide. Nur in geringen Maßen sollte man seinen Nahrungsbedarf aus Fleisch und Wurst, Eiern oder Süßigkeiten decken. So weit, so einfach.
Eine gesunde Ernährung muss und soll keinen strengen Verzicht bedeuten, denn was verboten ist, ist bekanntlich doppelt so interessant. Aber der Umgang mit Fast Food, Süßigkeiten und Knabbereien muss erlernt werden. Was man dabei nicht übersehen darf, sind zuckerhaltige Getränke. Sehr beliebt und praktisch verpackt, trinken Kinder und Jugendliche viel zu viel davon. Aber auch stark verdünnte Fruchtsäfte oder Tees lassen sich in Trinkflaschen abfüllen und einfach mitnehmen. Fünf kleine Mahlzeiten sind für Kinder besser als drei große. Erstens belasten sie den Magen-Darm-Trakt nicht so sehr und zweitens sorgen diese "Energiespritzen" für eine ständige Zufuhr von Nährstoffen. Müdigkeit und Konzentrationsschwächen können so ausgeglichen werden.
Obst und Gemüse sind übrigens durch nichts zu ersetzen. Die einzigartige Kombination von Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen ist durch kein Vitaminpräparat zu ersetzen. Hülsenfrüchte sind eine wertvolle pflanzliche Eiweißquelle und wirken sich positiv auf den Stoffwechsel aus. Beim Fett sollte man auf pflanzliche Öle umsteigen, da sie einfach ungesättigte Fettsäuren enthalten – diese haben einen positiven Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System. Fisch ist deshalb so wichtig, weil er einen hohen Gehalt an den so genannten Omega-3-Fettsäuren aufweist – die Fließeigenschaften des Blutes werden verbessert, Bluthochdruck verhindert und die Blutfettwerte gesenkt. Auch bei Kindern kann man bei Milchprodukten schon auf fettarme Produkte setzen, beim für Kinder wichtigen Kalziumgehalt gibt es keinen Unterschied.
Die "Gesund leben"- Pyramide muss nicht jeden Tag strengstens eingehalten werden. Aber im Wochendurchschnitt sollte man sich daran halten. Bei einer erfolgreichen Ernährungserziehung muss man sich vor allem eins vor Augen halten: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ihre Bedürfnisse sind anders. Sie brauchen "Action" auf dem Teller. Das Essen soll alle ihre Sinne ansprechen, Formen, Farben und Geräusche machen die Mahlzeit zum Erlebnis. Bunt und appetitlich angerichtet macht es gleich viel mehr Spaß – vor allem, wenn der Paprika dann auch noch so schön knackt. Auch große Essmuffel kann man damit motivieren, dass sie mithelfen können. Schon beim Speiseplan die Kleinen miteinbeziehen gibt ihnen Verantwortung – wir wollen ja auch nicht immer essen, was man uns vorsetzt, warum sollten Kinder das tun. Wenn auch noch bei der Zubereitung geholfen werden darf, kann es eigentlich nur mehr schmecken. Man sollte die Mahlzeit aber auch – wenn möglich – als Gemeinschaftserlebnis gestalten, ohne Ablenkungen. Lesen oder Fernsehen führt dazu, dass Essen als Nebenbeschäftigung gesehen wird – viel zu leicht wird so zu viel und das falsche gegessen. "Nur ein bewusster Umgang mit der Ernährung erspart den Kindern viele Probleme", so Dämon.
10 Tipps für ein gesundes Leben
- Täglich Bewegung
- Viel Flüssigkeit
- Getreideprodukte und Kartoffeln als Basis, am besten Vollkorn
- Gemüse und Obst – je öfter und je bunter, umso besser
- Tierische Lebensmittel in Maßen
- Pflanzliches vor tierischem Fett
- Süßigkeiten sparsam, dafür mit Genuss
- Öfters kleinere Mahlzeiten
- Bewusstes Essen ohne Nebenbeschäftigung
- Es gibt keine Verbote
Mag. Sabine Dämon
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Reflux
Aufstoßen und Sodbrennen sind oft Begleiterscheinungen von fettem Essen oder dem Genuss von Alkohol und sind auch in der Schwangerschaft ein verbreitetes Übel. Zumeist ist das nicht sehr belastend, nehmen die Attacken jedoch in ihrer Häufigkeit zu, stören sie das Wohlbefinden empfindlich und werden sie zunehmend als quälend empfunden, liegt meist die so genannte Refluxkrankheit vor.
Bei einem gesunden Menschen sorgt der untere Speiseröhrenschließmuskel gemeinsam mit dem Zwerchfell dafür, dass kein oder nur sehr wenig Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt. Kommt zuviel von der aggressiven Magensäure in die Speiseröhre, kann sie die empfindliche Schleimhaut verletzen und zu einer Entzündung der Speiseröhre führen. "Manchmal ist dieser Schließmuskel allerdings schwach oder kaum mehr vorhanden, was dazu führt, dass vermehrt Magensäure in die Speiseröhre zurückfließt", stellt Dr. René Merio, Facharzt für Innere Medizin und Magen-Darm-Heilkunde bei Prof. Fitscha in Wien, fest. Das Vorliegen einer Hiatushernie – eines Zwerchfellbruches – trägt zu dieser Störung des Barriere-Mechanismus zusätzlich bei. Bei 20% der westlichen Bevölkerung liegt ein Zwerchfellbruch vor, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Bei Babys beispielsweise ist dieser Schließmechanismus zu Beginn noch nicht ganz ausgereift, daher spucken sie oft. Dies legt sich aber mit der Zeit, der Schließmuskel übernimmt seine Aufgabe dann vollständig. Als Ursache für das saure Aufstoßen kommt vieles in Betracht: Übergewicht, Schwangerschaft, sehr fette, süße und zu große Mahlzeiten, Zigarettenrauchen, zu kalte oder zu heiße Speisen oder Getränke, kohlensäurehältige und alkoholische Getränke (besonders Weißwein), verschiedene Medikamente und Kräutertees. Auch wenn die Krankheit mit steigendem Lebensalter zunimmt, sind in den letzten Jahren auch immer mehr jüngere Patienten betroffen.
Je nach Häufigkeit des Auftretens unterscheidet man verschiedene Schweregrade. Der natürliche Reflux tritt bei den meisten Menschen ein bis zwei Stunden nach – vor allem – fettem Essen oder Alkoholgenuss auf. Wann spricht man nun von einer Refluxkrankheit? Dr. Merio: "Es gibt objektive und subjektive Parameter. Zu den subjektiven zählen vor allem die Häufigkeit des Sodbrennens oder sauren Aufstoßens. Tritt es regelmäßig mehrmals pro Woche auf, liegt mit größter Wahrscheinlichkeit eine Refluxkrankheit vor." Zu den objektiven Parametern zählen Entzündungen der Speiseröhre sowie erhöhte Werte bei einer Säuremessung in der Speiseröhre (pH-Metrie). Es gibt unterschiedliche Erscheinungsweisen – so können sich die Beschwerden auch in Heiserkeit, vermehrten Zahnschmelzschäden sowie einem ungeklärten Reizhusten äußern. Auch bei der Asthma-Krankheit und bei den Brustschmerzen der Herzkranken (Angina pectoris) kann der Reflux an den Beschwerden mit beteiligt sein. Die gastro-ösophageale Refluxkrankheit stellt die häufigste säurebedingte Erkrankung überhaupt dar und tritt weit häufiger auf als Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre. Fast ein Drittel der Erwachsenen leidet zumindest gelegentlich an Sodbrennen, dem Hauptsymptom der Krankheit.
Die typischen Symptome der Refluxkrankheit sind Sodbrennen (Brennen hinter dem Brustbein) und saures Aufstoßen. Dazukommen können Stechen und Druckgefühl hinter dem Brustbein, Schmerzen oder Schwierigkeiten beim Schlucken, Brennen und Trockenheit im Rachen, Husten und länger dauernde Heiserkeit. Weiters auch Schmerzen im Oberbauch, ein saurer oder bitterer Geschmack im Mund und – wie oben erwähnt – Störungen anderer, benachbarter Organe. Leidet man häufig unter Sodbrennen und/oder saurem Aufstoßen, ist der Gang zum Arzt ein Muss! Schiebt man diesen mehrere Jahre vor sich her, kann es zu verschiedenen Komplikationen wie Vernarbungen und Einengung der Speiseröhre bis hin zu Zellveränderungen kommen, die letztlich zu Speiseröhrenkrebs führen können. Schon anhand des Beschwerdebildes kann der Arzt oft eine Refluxkrankheit diagnostizieren. Meist sind aber weiterführende Untersuchungen wie Röntgen, eine Säuremessung in der Speiseröhre und vor allem eine Gastroskopie (Magenspiegelung) notwendig, um eine Entzündung oder andere Defekte der Speiseröhre auszuschließen. Auch das Vorliegen von Geschwüren oder Krebs wird damit festgestellt. Jeder längere Zeit an Reflux-Beschwerden leidende Mensch sollte sich zumindest einmal einer Magenspiegelung unterziehen, die heutzutage auf so genannte sanfte Art mit Kurzschlaf weit weniger unangenehm ist.
In ganz leichten Fällen mag zur Behandlung die Gabe der früher häufig eingesetzten magensäurebindenden Medikamenten (Antacida) genügen. In allen anderen Fällen muss aber eine Verminderung der Magensäurebildung erfolgen. Hier kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz. Die so genannten Protonenpumpenhemmer (PPI) sind die fortschrittlichsten und wirksamsten davon. Damit lässt sich die Produktion von Magensäure effektiv und über lange Zeit – bis zu 24 Stunden – vermindern und damit wird auch die Menge an zurückfließender Säure geringer. Als Folge davon können säurebedingte Beschwerden wie saures Aufstoßen, Sodbrennen, Schluckbeschwerden oder Schmerzen hinter dem Brustbein und in der Magengegend meist innerhalb kurzer Zeit beseitigt werden. In Österreich ist der PPI Pantoprazol unter dem Handelsnamen Pantoloc erhältlich. Das Medikament zeigt keine relevanten Wechselwirkungen mit anderen Präparaten und keinerlei Gewöhnungseffekte. Es kann auch bei Vorliegen von Nieren- und Leberfunktionsstörungen ohne Anpassung der Dosis eingenommen werden und ist auf Grund der Kleinheit der Tabletten auch bei Schluckstörungen leicht einzunehmen. In schweren Fällen, wenn eine medikamentöse Therapie nicht mehr ausreicht, um die Beschwerden zu lindern, kann auch operiert werden. Dr. Merio: "Die allermeisten Patienten kommen mit den heute verfügbaren Medikamenten zurecht. Sie können mehrere Monate genommen werden und bei Wirksam- und Notwendigkeit auch als Dauermedikation eingesetzt werden. Sollten Sie jedoch größere Mengen davon regelmäßig brauchen, stark unter dem Hervorkommen von Magensaft – oft auch nachts – leiden, oder bestimmte Zellveränderungen in der Speiseröhre entwickelt haben, so kann die heutzutage minimal-invasiv durchgeführte Operation (Knopfloch-Chirurgie) empfohlen werden. Besonders bei jüngeren Menschen ist daran zu denken, weil sie ja noch lange an dieser chronischen Störung leiden können. Zu bedenken ist aber, dass eine Heilung auf Lebenszeit jedoch auch von der Operation nicht zu erwarten ist, die Patienten später wieder Medikamente brauchen können."
Zusätzlich zur medikamentösen Therapie ist eine Anpassung der Lebensgewohnheiten empfehlenswert. Der Verzicht auf Nikotin, zu viel Alkohol, fette sowie zu große Mahlzeiten, sehr kaltes oder heißes Essen/Trinken führen ebenso zu Erleichterung wie bequeme Kleidung ohne Druck im Bauchraum. Bei Übergewicht wird eine Gewichtsreduktion empfohlen, bei nächtliche Beschwerden die Vermeidung von Spätmahlzeiten. Die Refluxerkrankung ist eine Erkrankung vor allem der hoch zivilisierten westlichen Länder wie auch andere Darm- und die Herz-gefäßerkrankungen, d. h. ein gesunder, maßvoller Lebensstil wird auch diese Störung sehr günstig beeinflussen.
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Gute Chancen bei der Wundheilung
Gerade bei Diabetikern kommt es durch schlechte Blutzuckereinstellung oft zu langsam heilenden Wunden, die die Lebensqualität massiv beeinträchtigen und bis zu Amputationen führen können. Mit dem richtigen Wundmanagement kann bei solchen Wunden ein optimaler Heilungsverlauf erzielt werden.
Bei der Behandlung eines diabetischen Fußsyndroms gibt es ein bewährtes Vorgehen. Neben der konsequenten Druckentlastung muss ein Wundinfekt saniert und eine mögliche Durchblutungsstörung verbessert werden. Der Wundheilungsprozess wird durch lokale Maßnahmen und einen phasengerechten Wundversorgung unterstützt. Meistens müssen verschiedene Spezialisten wie etwa Chirurg, Orthopäde, Internist oder Dermatologe zusammenarbeiten, um eine optimale Wundheilung zu erzielen. Auch Pflegepersonal und der Patient selbst spielen dabei eine wichtige Rolle.
Bei Geschwüren an der Fußsohle kann eine Heilung eigentlich nur bei völliger Druckentlastung erfolgen. Je nach Ort der Wunde stehen verschiedene Möglichkeiten der lokalen Druckentlastung zur Verfügung: Rollstuhl, Teilentlastungsschuhe oder Verbandschuh mit entsprechend der Wundsituation eingerichteten Aussparungen. Mitentscheidend für den Therapieerfolg sind das Verständnis des Patienten für die Bewegungseinschränkung durch das druckentlastende Hilfsmittel. Ein nächtlicher Barfußgang zur Toilette kann ein wochenlanges Bemühen um Abheilung der Wunde zunichte machen.
Bei einem Diabetiker benötigt auch die kleinste Verletzung ein professionelles Wundmanagement und keinesfalls nur ein "Pflaster". Dazu zählt vor allem eine gründliche Desinfektion. Infektionen können sich nämlich innerhalb kürzester Zeit über den ganzen Fuß ausbreiten. Wenn es doch so weit gekommen ist, muss nach genauer Untersuchung eine Antibiotika-Therapie begonnen werden, die je nach Schwere der Infektion auch mehrere Monate dauern kann. Abgestorbenes Gewebe muss regelmäßig chirurgisch entfernt werden. Wenn darüber hinaus auch noch Durchblutungsstörungen bestehen, muss zuerst das Gefäßsystem behandelt werden, da sonst die Wundheilung schlechte Chancen hat. Unter Umständen ist bei längeren Gefäßverschlüssen ein Bypass notwendig. Ansonsten kann das Gefäß auch mittels eines Ballonkatheters wieder gedehnt werden.
Die meist fehlende Schmerzempfindung und das hohe Infektrisiko erfordern die phasengerechte Verwendung von modernen Wundversorgungsprodukten. Sie verhindern beispielsweise die Schorfbildung. Ein Wundschorf schützt die Wunde nur unzureichend vor Auskühlen, Mikroorganismen, mechanischen Belastungen und Verkleben des Verbandes mit der Wunde. Im feuchten Wundmilieu heilen Wunden unter optimierten Bedingungen schneller, weil der Temperaturverlust verhindert wird und die Wunde vor störenden Umwelteinflüssen geschützt ist. Da die Verbände nicht mit der Wunde verkleben ist der Verbandwechsel schmerzfrei und die Wunde wird nicht jedesmal wieder von neuem "aufgerissen" – die Heilung wird dadurch beschleunigt.
Die Wundheilung verläuft prinzipiell in drei Phasen.
- Reinigungsphase
Die erste Phase dient der Wundreinigung. In dieser Phase wird die Wunde von schädlichen Keimen, Zelltrümmern und abgestorbenen Zellen gereinigt. Es zeigen sich lokale Entzündungen und die Wunde beginnt zu nässen. Das verlangt den Einsatz von stark saugenden Verbandstoffen wie z. B. Suprasorb A Calciumalginat und Vliwin Saugkompressen von Lohmann & Rauscher. Zelltrümmer und schädliche Keime werden aufgrund der Wirkungsweise dieser Verbandstoffe in den Verband aufgenommen und mit diesem entfernt.
Auch bei trockenen Wunden gibt es spezielle Verbandmaterialien wie z. B. Suprasorb G (als Gelplatte oder Gel). Es schafft ein feuchtes Wundklima, um abgestorbenes Gewebe besonders schonend aufzulösen. - Granulationsphase
Hier wird Gewebe neu gebildet – eine Art provisorisches Gewebe zur Auffüllung der Wunde. Durch die spezielle Beschaffenheit des Suprasorb-C-Kollagenverbandes wird das Wundmilieu positiv beeinflusst und die Neubildung von Gewebe stark vorangetrieben. In dieser Phase produziert die Wunde deutlich weniger Wundflüssigkeit, deswegen werden zur Fixierung des Kollagenverbandes dünnere, selbstklebende, bakterien- und wasserdichte Verbände gewählt, wie z. B. Suprasorb H Hydrokolloid oder Suprasorb-P PU-Schaumverband. Diese verhindern ein Austrocknen der Wunde. - Regenerationsphase
Die oberste Hautschicht wird nun gebildet und verdeckt allmählich die Wunde. Der Schutz vor neuen Verletzungen steht hier im Vordergrund. Besonders dünne und anschmiegsame Verbände haben sich in dieser Phase bewährt: beispielsweise Suprasorb M PU-Membran oder Suprasorb H Hydrokolloid dünn. Diese Verbände sind extrem flexibel und können auch bei schwierig zu verbindenden Stellen verwendet werden.
Das richtige Wundmanagement ist also komplex und gehört in die Hand von Spezialisten. Doch wenn die Verletzungen richtig behandelt werden, sind die Heilungserfolge beeindruckend. Damit es aber erst gar nicht so weit kommt, sollte jeder Diabetiker auf eine optimale Einstellung seines Blutzuckers achten, regelmäßige Fußkontrollen und Hautpflege durchführen sowie mögliche Risiken vermeiden. Falsches Schuhwerk kann zu Blasen und Druckstellen führen, Barfußgehen erhöht das Verletzungsrisiko enorm. Jede Verletzung muss unbedingt ärztlich versorgt werden.
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Hölle Kopfschmerz
Fast jeder von uns kennt sie – Kopfschmerzen. Sie können einfach nur lästig sein oder uns das Leben zur Hölle machen. Aber Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz, weder bei den Ursachen noch bei der Bekämpfung. Einige Formen sind gut zu behandeln, andere stellen die Medizin immer noch vor große Herausforderungen.
Spannungskopfschmerz
Spannungskopfschmerzen gehören zu den am häufigsten diagnostizierten Kopfschmerzen. Fast jeder Erwachsene und auch immer mehr Kinder und Jugendliche leiden gelegentlich daran. "Leider sind die Ursachen der Spannungskopfschmerzen nicht annähernd so gut erforscht wie die der Migräne", so Univ.-Prof. Dr. Peter Wessely, Leiter der Kopfschmerzambulanz im Wiener AKH und Präsident der Österreichischen Kopfschmerzgesellschaft. Gesichert scheint zu sein, dass Reize, die aus der Peripherie des Körpers kommen, im Hirnstamm falsch interpretiert werden. Es werden zu viele Impulse weitergeleitet, dadurch kommt es zu einer Überlastung von Abwehrmechanismen, die Schmerzschwelle sinkt und Muskelverkrampfungen können ausgelöst werden. Die Verspannungen sind also nicht primär die Ursache der Kopfschmerzen, sondern ein weiteres Symptom.
Beim Spannungskopfschmerz ist nicht nur eine Kopfhälfte betroffen, sondern er kann im Bereich der Stirn, des Nackens, des Scheitels oder auch des ganzen Kopfes auftreten. Viele Betroffene beschreiben den Schmerz als "ein Stahlband, das sich um den Kopf legt" oder als "Gewicht auf dem Kopf". Er kann dumpf-drückend sein und hat meist eine niedrige bis mittlere Intensität. Es kann aber den ganzen Tag dauern, bis sich die Beschwerden bessern. Normalerweise kommt es bei Spannungskopfschmerzen kaum zu Übelkeit oder Erbrechen, auch Lärm- und Lichtempfindlichkeit sind selten. Normale Tätigkeiten werden nicht verhindert – im Gegenteil: Bei leichter körperlicher Belastung können sie sich sogar bessern.
Man muss bei den Spannungskopfschmerzen auch noch zwei Arten unterscheiden: den episodischen, der gelegentlich auftritt, und den chronischen. Von chronischen Spannungskopfschmerzen spricht man, wenn sie an mehr als 15 Tagen im Monat oder mehr als 180 Tagen im Jahr auftreten. Die Behandlung der beiden Typen ist äußerst unterschiedlich. Beim episodischen Kopfschmerz wird üblicherweise mit "normalen" Schmerztabletten, Aspirin, Paracetamol oder Ibuprofen behandelt und die Patienten sprechen darauf auch gut an. Auf Präparate, die noch andere Substanzen enthalten, sollte man möglichst verzichten. Eine verbesserte Wirkung ist bis jetzt nicht belegt. Man muss allerdings darauf achten, nicht an mehr als zehn Tagen pro Monat solche Medikamente einzunehmen, da es sonst zu Kopfschmerzen aufgrund der Tabletten kommen kann. Das kann soweit führen, dass ein Medikamenten-Entzug notwendig wird. "Niemand sollte chronische Schmerzen in Eigenregie behandeln", so Wessely.
Beim chronischen Spannungskopfschmerz (er betrifft rund drei Prozent der Bevölkerung) sind die Therapiemöglichkeiten sehr eingeschränkt. "Hier verwendet man meist trizyklische Antidepressiva mit schmerzstillender Wirkung und den bekannten Nebenwirkungen", so Wessely. Typische Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, Müdigkeit, Gewichtszunahme und Nebenwirkungen am Herzen. Obwohl Trizyklika die beste Wirksamkeit haben, liegt die Erfolgsquote unter 50 Prozent. Außerdem müssen sie über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, bevor sie ihre Wirkung entfalten. Bei einer nachgewiesenen Verspannung der Nackenmuskulatur können auch muskelentspannende Medikamente eingesetzt werden.
Beim Spannungskopfschmerz haben sich aber auch andere Verfahren als hilfreich erwiesen. So ist der Einsatz von Entspannungstherapien wie etwa Autogenes Training oder Biofeedback, aber auch Akupunktur durchaus sinnvoll. "Man muss aber schon darauf achten, dass die Seriosität gewahrt bleibt. Niemand sollte sich auf Wundermittel aus der Zeitung verlassen", stellt Wessely fest. "Auch Injektionen mit Botox bringen erwiesenermaßen keinen Erfolg."
Schon bei Kindern können Spannungskopfschmerzen auftreten. Es sollten auf jeden Fall psychologische Faktoren abgeklärt werden. Häufig reagieren Kinder auf Schwierigkeiten in der Familie oder der Schule mit Kopfschmerzen. Wenn man diese Faktoren ausschalten oder zumindest verbessern kann, kann auf Medikamente meist verzichtet werden. Eine rasche Abklärung beim Arzt vermeidet auch, dass mögliche organische Ursachen zu lange übersehen werden.
Migräne
800.000 Menschen in Österreich leiden unter Migräne. Von ihnen hat aber nur ein Drittel jemals einen Arzt aufgrund einer Attacke aufgesucht. Leider stehen nur rund 13 Prozent in ärztlicher Behandlung. "Dabei sollte der Facharzt für Neurologie der wichtigste Ansprechpartner für Menschen mit Kopfschmerzen sein. Er kann abklären, ob es sich tatsächlich um Migräne handelt und er kann ein indivuelles Therapiekonzept erstellen", weist Wessely auf die Wichtigkeit der ärztlichen Behandlung hin. Frauen sind übrigens deutlich öfter betroffen als Männer.
Bei Migräne treten die Schmerzen anfallsartig auf. Sie werden als pulsierend beschrieben, beginnen meist einseitig und breiten sich dann langsam aus, wobei sie oft auf eine Kopfhälfte beschränkt bleiben. Zusätzlich werden Migräneattacken häufig von körperlichen Symptomen begleitet: Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Licht-, Lärm oder Geruchsempfindlichkeit. In schweren Fällen kann es auch zu vorübergehenden neurologischen Ausfällen bis hin zu Lähmungen, Seh- und Gleichgewichtsstörungen kommen.
Im Gegensatz zum Spannungskopfschmerz kennt man die Details des Migränegeschehens besser. Es handelt sich um Fehlfunktionen von Nervenzellen, in weiterer Folge kommt es an bestimmten kleinkalibrigen Gehirngefäßen zu sterilen Entzündungsreaktionen. Die Adern erweitern sich und bestimmte Botenstoffe werden frei, die die Entzündungsreaktionen noch verstärken und damit Reize auslösen, die an das Gehirn weitergeleitet werden und dort die Kopfschmerzen und Begleitsymptome auslösen.
Eine Migräneattacke läuft meist in drei Phasen ab. Die Frühsymptome können dem Anfall um Stunden oder sogar Tage vorausgehen. Dabei kann es zu Reizbarkeit, Müdigkeit, Heißhunger oder Appetitlosigkeit, Stimmungsänderungen oder Sprachstörungen kommen. Bei manchen Patienten folgt dann eine Auraphase. Sie dauert maximal 60 Minuten, während derer es zu Sehstörungen oder anderen neurologischen Störungen (z. B. kurzfristige Gefühlsstörungen) kommen kann. Erst danach beginnt der eigentliche Migräne-Anfall. Die Rückbildungsphase nach dem Anfall ist meist gekennzeichnet durch Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Verstimmung oder geringe Belastbarkeit.
Bei Kindern geht die Migräne oft mit Übelkeit und Erbrechen einher. Die Anfälle dauern normalerweise viel kürzer als bei Erwachsenen und die Kinder schlafen manchmal auch währenddessen ein. Den Kindern hilft oft Ruhe und Schlaf, sodass der Einsatz von Medikamenten oft nicht notwenig ist. Trotzdem gehören Kinder mit Migräne-Anfällen in ärztliche Behandlung.
Mit modernen Therapien kann man die Migräne gut in den Griff bekommen. "Fast 60 Prozent der Betroffenen nehmen aber irgendwelche rezeptfreien Präparate", kritisiert Wessely. Mit der Wirkstoffgruppe der Triptane stehen nämlich erstmals speziell für Migräne entwickelte Substanzen zur Verfügung. Sie sind derzeit die effektivste Möglichkeit, Migränebeschwerden zu lindern. Mit ihnen lassen sich die Schmerzen schneller und anhaltender ausschalten als mit anderen Medikamenten. Außerdem zeigen sie auch Wirkung gegen die Begleiterscheinungen wie Übelkeit oder Erbrechen. Neben Tabletten stehen auch Nasensprays zur Verfügung, die sehr rasch wirken. Jüngste Erkenntnisse zeigen, dass der Zeitpunkt der Einnahme durchaus ausschlaggebend für die Wirkung ist. Je früher im Verlauf des Anfalls die Triptane eingenommen werden, desto eher ist ein Effekt zu erwarten. Die Rückkehr in den Tagesablauf ist damit rascher möglich. Und das ist nicht nur für den Patienten wichtig, sondern hat auch handfeste wirtschaftliche Vorteile. Von den 800.000 Migränikern sind 486.000 berufstätig. Durch die Attacken verlieren sie jährlich etwa zwei Wochen Arbeitszeit.
Bei der Einnahme von Triptanen kann es zu Übelkeit, Einschnürungsgefühl im Brustkorb, Kribbeln, Müdigkeit oder ängstlichen Zuständen kommen. Es kann bei langer Einnahme auch zu Abhängigkeiten kommen. "Aber Kopfschmerzpatienten entwickeln eher eine Abhängigkeit bei normalen Schmerzmitteln als bei Triptanen", relativiert Wessely das Risiko. Bei Kindern dürfen Triptane nicht verwendet werden – dies vor allem, weil es kaum Forschungsergebnisse gibt und bei Kindern die Anfälle meist sehr schnell vorbei sind. Außerdem dürfen Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen, Bluthochdruck oder nach einem Schlaganfall keine Triptane einnehmen.
Zur Vorbeugung sollte man versuchen zu erkennen, welche Dinge einen Anfall auslösen. Dies kann z. B. Stress sein, aber auch das Nachlassen von stressigen Situationen oder verschiedene Umweltreize. Wenn man einen solchen Trigger (Auslöser) festgestellt hat, sollte man möglichst versuchen, ihn zu vermeiden. Zusätzlich kann man auch Entspannungstraining oder Akupunktur praktizieren, auch Ausdauersport hat nachgewiesenermaßen eine migränevorbeugende Wirkung. All diese Möglichkeiten kann und muss ein Arzt zu einem vollständigen Therapiekonzept zusammenstellen.
Clusterkopfschmerz
Clusterkopfschmerzen sind zwar eine relativ seltene Art – nur 1 Promille der Bevölkerung ist betroffen – doch für die Patienten ist die Belastung enorm. Es ist der stärkste bekannte Kopfschmerz und äußerst sich durch heftige bohrende und stechende, einseitig auftretende Attacken in Schläfe und Auge. Die Anfälle dauern zwischen 15 und 90 Minuten und beginnen häufig in der Nacht. Sie treten gehäuft im Frühjahr und Herbst auf. Typische Begleiterscheinungen einer Attacke sind Augentränen, ein gerötetes Auge, Nasenlaufen oder ein hängendes Augenlid, auch eine Rötung der betroffenen Gesichtshälfte ist möglich. Im Gegensatz zur Migräne sind vom Clusterkopfschmerz Männer fünfmal häufiger betroffen als Frauen. Man unterscheidet auch hier zwischen einer episodischen Form (dabei treten zwischen den Anfallsphasen längere Pausen auf) und dem chronischen Clusterkopfschmerz – dabei treten die Anfälle über einen Zeitraum von einem Jahr oder länger ohne längere Pausen auf.
"Zu den Ursachen des Clusterkopfschmerzes gibt es neue Erkenntnisse", so Wessely. Es ist ziemlich gesichert, dass es sich um eine Funktionsstörung im Hypothalamus (Teil des Zwischenhirns) handelt. Diese Region im Gehirn ist für die Steuerung von unwillkürlichen Prozessen wie etwa Kreislauf oder Atmung zuständig. Die Ursache ist allerdings noch nicht bekannt. Aber die Nervenbahnen und Gefäße die in Richtung Auge und Stirn führen werden entzündet. Es kommt zu einer Balancestörungen der Hormone und Enzyme, die die Funktion des Hypothalamus steuern. "Diese Störung kann man jetzt mit bildgebenden Verfahren sichtbar machen", so Wessely. Damit ergeben sich völlig neue Möglichkeiten. Es kann durch einen operativen Eingriff – ähnlich wie bei Parkinson-Patienten – zu einer deutlichen Verbesserung der Situation kommen. "Allerdings ist dieser Eingriff noch nicht Routine. Bis jetzt wurde er in Europa nur in Mailand und Liege durchgeführt. Theoretisch könnten solche Eingriffe in besonderen Fällen auch hier in Erwägung gezogen werden", grenzt Wessely die Anwendung ein.
Für eine gesicherte Diagnose und Behandlung muss man auf jeden Fall einen Neurologen aufsuchen. Nur so kann gezielt geholfen werden. Clusterkopfschmerzen können aber relativ gut behandelt werden. Während eines Anfalls setzt man Triptane (wie bei der Migräne) ein. Besonders der Wirkstoff Sumatriptan kommt als subkutane Injektion zum Einsatz. "Da die Anfälle kurz sind, helfen nur Injektionen oder Nasensprays", so Wessely. Als Kurzzeitprophylaxe kann man auch Cortison verabreichen – vor allem bei der episodischen Form, bis die Prophylaxemedikation zu wirken beginnt. Diese umfasst in erster Linie Lithium bzw. Isoptin. In Einzelfällen auch Melatonin. Bei akuten Zuständen kann auch Lidocain in die Nase eingetropft werden. In den akuten Phasen hilft auch die Gabe von reinem Sauerstoff über eine Maske. Es müssen 7 Liter/Minute über mindestens 20 Minuten im Sitzen eingeatmet werden. "Da Cluster-Patienten einen ausgesprochenen Bewegungsdrang haben, ist das ein wenig mühsam, aber es gibt auch tragbare Geräte, denn immerhin sprechen 50 bis 50 Prozent der Patienten auf Sauerstoff an", stellt Wessely fest. Zur Prophylaxe können aber auch Triptane in Tablettenform mit einer langen Halbwertszeit gegeben werden. Während der Anfälle muss dann allerdings ziemlich hoch dosiert werden. "Da die Medikamente aber nicht dauernd eingenommen werden, kommt es trotz hoher Dosierungen fast nie zu Abhängigkeiten", beruhigt Wessely.
Normale Schmerzmittel wirken bei Clusterkopfschmerzen nicht. Auch alternative Methoden, die bei den anderen Kopfschmerzformen gut helfen, wie z. B. Enspannungsverfahren, Akupunktur usw., führen nicht zu einer Besserung der Beschwerden. Selbstmedikation bringt also wenig, bei ärztlicher Behandlung kann man die Schmerzen aber gut in den Griff bekommen.
Univ.-Prof. Dr. Eckhard Beubler, Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft:
Schmerzpatienten kann in bis zu 90 Prozent der Fälle geholfen werden. Eine gute Schmerztherapie erfordert Ärzte aus verschiedenen Disziplinen, die ein optimales Konzept zusammenstellen. Viele Arten von Kopfschmerzen können heute gut behandelt werden: NSAR (nicht steroide Antirheumatika), Triptane oder Antidepressiva sind die am häufigsten verabreichten Medikamente. Darüber hinaus besteht durchaus noch Forschungsbedarf.
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Allergie aufs Essen
Darmbeschwerden und Verdauungsprobleme werden in den letzten Jahren wesentlich häufiger beobachtet. Neben unregelmäßiger Ernährung, Bewegungsmangel und Stress spielen Unverträglichkeiten von bestimmten Speisen als Ursache eine große Rolle. Obwohl fast ein Viertel aller Menschen offensichtlich an einer Nahrungsmittelallergie leidet, konnte in Studien tatsächlich nur bei ein bis zwei Prozent der Bevölkerung eine echte Allergie auf Lebensmittel nachgewiesen werden.
Störung des Immunsystems
Unter Allergie wird generell eine spezifische Überempfindlichkeit unseres Organismus gegen körperfremde Stoffe verstanden. Der Körper bildet gegen bestimmte Substanzen (Antigene) spezifische Antikörper. Bei der Abwehr von Infekten ist das eine sehr sinnvolle Maßnahme und hält uns gesund. Reagiert unser Immunsystem aber auf nicht bedrohliche Substanzen wie Pollen, Gräser oder Speisen, kommt es zu einer Überreaktion und Allergie.
Eine Lebensmittelallergie ist also eine Reaktion des Immunsystems auf Substanzen in unserer Nahrung. Dafür muss eine genetisch bedingte Veranlagung vorhanden sein, die man eben bei ein bis zwei Prozent der Bevölkerung findet. Meist reichen schon geringste Mengen aus, um Symptome an Haut, Mundschleimhaut oder im Atemtrakt hervorzurufen.
Die Folgen reichen von Hautausschlägen, Juckreiz, offenen Mundwinkeln, Kribbeln der Mundschleimhaut bis hin zu deutlichen Verschwellungen im Gesichtsbereich, allergischem Schnupfen oder Auslösung eines Asthma-Anfalles. Bei dramatischen Verläufen kann es zu einem tödlichen Schock kommen. So z. B. bei Erdnussallergien, an denen in den USA jährlich mehr als hundert Menschen sterben.
Vielzahl von Allergenen
Unsere Nahrung enthält eine Vielzahl von potentiell allergenen Stoffen, bei denen es sich meist um Eiweiße handelt. Prinzipiell kann jeder Inhaltsstoff in unserer Nahrung eine Allergie auslösen. Doch ist die allergene Potenz von verschiedenen Lebensmitteln unterschiedlich. Als potentiell aggressive Allergene, die bedrohliche Sofortreaktionen auslösen können, gelten Fisch, Schalen- und Krustentiere, Hühnerei, Kuhmilch, Innerein, Sellerie, Fenchel, Karotten, Hülsenfrüchte, Äpfel, Kirschen, Soja, Nüsse und Samen.
Nachdem es aber tausende unterschiedliche Eiweißverbindungen gibt, ist es oft äußerst schwierig, das allergieauslösende Protein herauszufinden. Eine weitere Erschwernis für die Forschung ergibt sich daraus, dass unsere Nahrung aus einer Vielzahl von Eiweißverbindungen zusammengesetzt ist. Damit stellt sich nach dem Genuss eines allergieauslösenden Lebensmittels die Frage, was denn nun die Reaktion ausgelöst hat.
Die enormen Fortschritte in der Forschung konnten in den letzten Jahren immer mehr allergener Eiweiße analysieren.
Versteckte Allergene
Alle Lebensmittel unterliegen einer Kennzeichnungspflicht. Trotzdem sind gerade viele Fertigprodukte nur mangelhaft gekennzeichnet. Aromazubereitungen sind oft unvollständig angegeben. Kleinste Beimengungen von diversen Substanzen werden häufig überhaupt nicht angeführt (z. B. Erdnuss-Splitter in Schokolade).
Aber selbst schon Reinigungsmittel im Produktionsbetrieb können im schlimmsten Fall eine Allergie auslösen.
Aus diesen Gründen wird zunehmend eine lückenlose Registrierung aller Bestandteile eines Lebensmittels gefordert, da eben schon kleinste Mengen eines Inhaltsstoffes eine allergische Reaktion hervorrufen können.
Je naturbelassener ein Lebensmittel ist, umso größer ist in der Regel seine allergene Aggressivität. Durch Kochen oder andere Verarbeitungsprozesse verlieren viele Lebensmittel ihre allergene Potenz. Dieses gilt besonders für zahlreiche Obst- und Gemüse- sowie Getreidesorten. Vielfach führt erst das Zusammentreffen von verschiedenen Allergenen zu einer Reaktion, während die einzelnen Substanzen gut toleriert werden.
Häufig wird beobachtet, dass Personen, die unter einer Pollen- oder Gräserallergie leiden, auch eine Allergie gegen Stein- und Kernobst oder gegen Nüsse bekommen. Dies wird als Kreuzreaktion bezeichnet. Besonders gut untersucht sind die recht häufigen Kreuzreaktionen zwischen Allergenen in Birkenpollen und solchen in Haselnuss, Steinobst, Apfel, Sellerie und Karotten.
Allergie durch Gentechnik?
Vielfach wird befürchtet, dass durch die Übertragung von Genen auch allergieauslösende Proteine übertragen werden. Das Risiko scheint extrem klein zu sein. Denn erstens wird die Struktur der Eiweiße genau analysiert und auf ihre allergene Potenz getestet.
Zweitens werden alle bisher durch Gentechnik übertragenen Eiweiße durch die Magensäure gespalten. Ein Eiweiß kann aber nur dann eine Allergie auslösen, wenn es intakt den sauren Magen passieren kann und danach mit der Schleimhaut des Dünndarms in Kontakt kommt. Denn nur dort kommt es in Berührung mit dem Immunsystem.
Auf der anderen Seite bietet die Gentechnik natürlich auch die Möglichkeit, bestimmte Eiweißverbindungen so zu verändern, dass sie keine Allergie mehr auslösen können.
Eine endgültige Beurteilung der Gefährlichkeit der Gentechnik in Hinblick auf Allergieauslösung ist zum derzeitigen Standpunkt noch nicht möglich.
Allergieaustestung
Mit Hilfe verschiedener Tests können mögliche Auslöser bestimmt werden:
- Prick-Test: ein Tropfen des möglichen Allergens wird auf die Unterarmbeuge gegeben und mit einer speziellen Nadel in die obere Hautschicht eingeritzt. Reagiert die Haut mit Rötung und Schwellung, gilt dies als deutlicher Hinweis, dass der getestete Stoff allergieauslösend ist.
- Epikutan-Test: ein mit einer bestimmten Substanz getränktes Pflaster wird für ein bis zwei Tage auf die Haut geklebt. Bei einer Allergie reagiert der Patient mit Rötung und Bläschenbildung.
- Antikörperbestimmung: im Blut kann die Konzentration von Antikörpern auf bestimmte Allergene bestimmt werden (IgE-Spiegel). Denn nur bei einer echten Allergie kommt es zur Antikörperbildung.
Im weiteren Sinn kann danach bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie eine "Eliminationsdiät" durchgeführt werden. Das bedeutet, dass das vermutete Allergen vom Speiseplan einfach gestrichen wird.
"Provokationstest" mittels Genuss des vermuteten Allergens sollten nur im Rahmen eines stationären Aufenthalts gemacht werden. Die Gefahr der Auslösung eines allergischen Schocks ist immer gegeben.
Die Diagnostik von Allergien ist in der Regel aber sehr schwierig. Nur wenn die Ergebnisse der Allergietests mit dem Beschwerdebild eindeutig übereinstimmen, gilt die Allergie als gesichert. In diesem Fall ist der Genuss des Allergens streng verboten.
Nahrungsmittelintoleranz
Auch darunter versteht man eine Unverträglichkeit von Speisen, die aber keinen allergischen Hintergrund hat. Meist liegt dabei ein Defekt im Enzymsystem unseres Verdauungstraktes vor, so dass bestimmte Nahrungsmittel nicht korrekt abgebaut und aufgespalten werden können. Essen wir solche Nahrung, wird sie nicht verdaut und bleibt im Darm. Millionen von Bakterien und Pilzen fallen dann über diese Substanzen her und verursachen massive Beschwerden.
Spezifische Nahrungsmittelintoleranzen
Auf konkrete Speisen setzt immer eine Unverträglichkeit ein. Ein sehr bekanntes Beispiel ist die Lactose-Intoleranz . Durch einen Mangel des Enzyms Lactase im Darm kann Milchzucker nicht verarbeitet werden. Bei Genuss von Milch oder anderen milchzuckerhältigen Lebensmitteln wie Käse, Joghurt und Sauermilchprodukten treten Durchfälle, Übelkeit, Blähungen, Darmkrämpfe und Erbrechen auf.
Bei der ebenso häufigen Fructose-Intoleranz wird Fruchtzucker nicht aufgespalten. Nach dem Verzehr von Obst, Marmelade und Kompott kommt es zu massiven Beschwerden.
Bei der Zöliakie liegt eine lebenslange Unverträglichkeit des Kleber-Eiweißes Gluten vor, welches in Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel und Grünkern enthalten ist. Kommt der Dünndarm eines Zöliakiepatienten mit Gluten in Berührung, wird durch eine Entzündungsreaktion die Darmwand regelrecht abgebaut. Wieder treten Durchfälle, Bauchschmerzen, Übelkeit und Fettstühle auf. Da diese Erkrankung meist schon im Kindesalter in Erscheinung tritt, werden häufig Entwicklungs- und Wachstumsstörungen gesehen. Nur durch eine lebenslange Diät mit Verzicht auf alle glutenhältigen Lebensmittel kann man diese Erkrankung stoppen.
Im Gegensatz zu Allergien lassen sich bei spezifischen Nahrungsmittelintoleranzen so gut wie nie positive Reaktionen bei Haut- und Labortests feststellen, eine Schockreaktion ist nie zu finden. Dies gilt auch für die anschließend erwähnten unspezifischen Nahrungsmittelintoleranzen.
Wer von einer spezifischen Nahrungsmittelintoleranz betroffen ist, muss den auslösenden Nährstoff lebenslang meiden. Das ist die einzige therapeutische Möglichkeit.
Unspezifische Nahrungsmittelintoleranzen
Hierunter versteht man das Auftreten von Beschwerden nach dem Genuss so genannter schwer verdaulicher Nahrungsmittel. Als Ursache werden Dehnung und Irritation der Darmwand durch die bei der bakteriellen Zersetzung von Nahrungsbestandteilen entstehenden Gase und Säuren angegeben. Entsprechend klagen die Patienten über Völlegefühl, Sodbrennen und Erbrechen, Blähungen und Durchfälle. Häufig treten die Symptome nach dem Genuss von zellulose- und fettreichen Speisen auf. Rohkost, Zwiebeln und Knoblauch, diverse Gewürze und Kräuter, aber auch Frittiertes, Paniertes und fette Mehlspeisen sind gefährlich. Im Unterschied zu den spezifischen Intoleranzen liegt hier kein spezieller Enzymmangel, sondern eher eine allgemeine Verdauungsschwäche vor.
Neben den organisch bedingten Ursachen nimmt man auch an, dass Vorurteile gegen Nahrungsmittel, Emotionen und übertriebene Selbstbeobachtung häufig am Entstehen von Unverträglichkeiten mitwirken.
Die Häufigkeit dieser Intoleranzen insgesamt liegt bei 5% in der Gesamtbevölkerung.
Therapie
Selbstbeobachtung, Austestung und Meiden der unverträglichen Speisen sind die einzigen effektiven Maßnahmen. Sind die Auslöser der Symptome nicht genau ausfindig zu machen, ist eine leichte Vollkost angesagt.
Die leichte Vollkost unterscheidet sich von der normalen Kost dadurch, dass all jene Nahrungsmittel weggelassen werden, die erfahrungsgemäß bei mehr als 5 Prozent der Bevölkerung Unverträglichkeiten hervorrufen. Der Kalorienbedarf richtet sich dabei nach den allgemeinen Empfehlungen. Die Nährstoffrelation wird zugunsten der Kohlenhydrate (60%) mit einer Verminderung von Eiweiß (12%) und Fett (30%) verändert.
Die Ballaststoffzufuhr sollte mind. 15 Gramm pro Tag erreichen. Da Obst und Vollkornprodukte oft nicht so gut verträglich sind, sollte man auf schonend zubereitetes Gemüse umsteigen. Kurz im Wok anrösten oder im Druckkochtopf garen.
Bei allen Arten einer Nahrungsmittelunverträglichkeit ist zuerst einmal die Selbstbeobachtung entscheidend. Durch Genuss oder Weglassen des vermuteten Auslösers und daraus entstehender Beschwerden können dem Arzt wertvolle Hinweise geliefert werden. Dann wird getestet.
Dr. Thomas Schwingenschlögl
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Psoriasis: Haut und Gelenke heilen
Die Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine Erkrankung, die neben der Haut auch Gelenke und die Wirbelsäule stark in Mitleidenschaft ziehen kann. Doch die neuen Therapiemethoden mit den so genannten Biologicals können hervorragende Ergebnisse erzielen.
Den meisten Menschen assoziieren mit dem Begriff Psoriasis (Schuppenflechte) eine Hauterkrankung. Weniger bekannt ist, dass die Schuppenflechte mit einem Befall von kleinen und großen Gelenken und des Achsenskeletts einhergehen kann. Bei einigen Patienten ist der Gelenkbefall sogar das erste Anzeichen für das Vorliegen einer Psoriasis. Prinzipiell können alle Gelenke befallen werden, am häufigsten sind jedoch die kleinen Gelenke von Hand und Fuß sowie die Kniegelenke und die Wirbelsäule betroffen. Der Befall von Gelenken kann sehr schmerzhaft sein und Lebensqualität der Patienten entsprechend einschränken.
Die Psoriasis-Arthritis (PsA) wird heute zur großen Familie der rheumatoiden Erkrankungen gezählt. Wie bei all diesen Erkrankungen ist auch bei der PsA eine möglichst frühe Diagnose von Nöten, um rechtzeitig in den Krankheitsprozess einzugreifen und das Fortschreiten weitestgehend einzudämmen. "Wie bei der Psoriasis der Haut kommt es bei der Behandlung der Psoriasis-Arthritis auf die Schwere und Ausdehung der Krankheit an", so Univ.-Prof. Georg Stingl, Leiter der Ambulanz für Bio-Immuntherapie am AKH Wien.
Obwohl heute eine Reihe von wirksamen Medikamenten zur Verfügung steht, findet sich nicht bei allen Patienten eine adäquate Therapie. Neue Hoffnung bei schweren Verlaufsformen setzen Mediziner jetzt in so genannte Biologicals, z. B. Infliximab. "Lässt die Schwere des Krankheitsverlaufes die Gefahr von Verkrüppelungen der Gelenke befürchten, kann mit den Biologicals ein beeindruckende Verbesserung erreicht werden, vorausgesetzt, die Behandlung findet zum richtigen Zeitpunkt stattt", so Stingl. Wird die Behandlung unterbrochen, treten die Beschwerden erneut auf. Weil Infliximab den so genannten Tumornekrosefaktor Alpha (er ist ein wichtiger Faktor bei Entzündungsprozessen) unterdrückt, erhöht sich beim Patienten das Infektionsrisiko, und derat behandelte Patienten müssen engmaschig zu Kontrolluntersuchungen. "Gefürchet ist in diesem Zusammenhang vor allem die Tuberkulose, die vor der Behandlung ausgeschlossen werden bzw. beim Auftreten während der Therapie sofort behandelt werden muss", so der Dermatologe.
Die bisherigen Therapeutika haben den Nachteil, dass sie oft nur entweder gegen die Haut- oder die Gelenksymptome wirken. Bei Biologicals wie z. B. Infliximab (Remicade) ist dies nicht der Fall, wie in den klinischen Studien Impact I und II gezeigt werden konnte. Bei fast der Hälfte der Studienteilnehmer kam es nach 16 Wochen zu einer Verbesserung der Gelenkbeschwerden um 50 Prozent. Bei den Hautbeschwerden war das Ergebnis noch deutlicher. Hier trat bei 76 Prozent der Behandelten eine deutliche Verbesserung ein. Zur Behandlung muss das Medikament einige Male im Jahr per Infusion verabreicht werden.
Bei einigen rheumatoiden Erkrankungen reichen die Erfahrungen mit Biologicals bis zu sechs Jahre zurück. Tatsache ist, dass Patienten, denen Biologicals verordnet werden, genau beobachtet werden müssen. "Derzeit gibt es keine Hinweise, dass es durch die Unterdrückung des TNF-alpha zu einer Häufung von bösartigen Erkrankungen kommt, doch Kontrolle ist notwendig", stellt Stingl fest. "Je mehr wir von der Krankheit und ihrer Entstehung verstehen und je mehr wir über das Konzert der Entzündungsstoffe erfahren, desto gezielter können wir eingreifen", zeigt Stingl den Weg.
Eine genaue Grundlagenforschung wird noch mehr als bisher dazu führen, dass gezielt dort eingegriffen werden kann, wo man früher nur sehr allgemein ansetzen konnte.
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Hoffnung aus dem Gen-Labor
Seit einigen Jahren stehen für die Rheumatherapie so genannte Biologicals zur Verfügung. Sie eröffnen erstmals neue Wege bei der Behandlung. Bei frühzeitigem Erkennen der Krankheit und schnellem Einsatz der Biologicals scheint sich sogar ein Stillstand des Krankheitsprozesses abzuzeichnen.
Worin besteht nun das Neue bei dieser Therapieart? Neu ist, dass die Wirkstoffe direkt in die Kommunikation der Immunzellen eingreifen und dadurch den Entzündungsverlauf beeinflussen. Ermöglicht wurde dies durch jahrelange Forschung. Die Ergebnisse daraus brachten immer mehr Erkenntnisse über Entstehung und Verlauf der rheumatoiden Arthritis. Mit dem Wissen über die Prozesse, die im Immunsystem bei der Zerstörung des Knorpelgewebes und des Knochens ablaufen, ergaben sich neue Chancen für die Therapie.
Die Biologicals werden fast immer mit einer Basistherpie kombiniert. Üblicherweise besteht diese aus einer Gabe von Methotrexat – einem Mittel aus der Krebstherapie. Es wird in der Rheumatologie allerdings in einer sehr viel geringeren Dosierung verwendet. Heute gilt als beste Behandlung eine schnelle und zielsichere, die die Krankheit verlangsamen oder sogar stoppen kann. Wenn also Patienten auf die "klassische" Therapie nicht ausreichend ansprechen, sollten Biologicals zum Mittel der Wahl werden.
Tatsache ist, dass spezielle Körperzellen in den Entzündungsprozess eingreifen. Die dabei wirksamen Botenstoffe – die Zytokine (siehe Wissen) – aktivieren diese Zellen, die daraufhin gewebszerstörende Enzyme freisetzen. So kommt es unweigerlich zur Zerstörung der Gelenke. Am weitestens erforscht ist derzeit die Funktion des TNF-alpha (Tumornekrosefaktor alpha). Er sorgt für akute Entzündungen und Fieber. Wenn das Immunsystem gestört ist und es zu einer längeren Ausschüttung des TNF-alpha kommt, richtet sich seine Wirkung gegen den eigenen Körper.
Derzeit stehen vier verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, die zwar zur selben Gruppe gehören, aber verschiedene Ansätze zur Lösung desselben Problems verfolgen. Etanercept (Enbrel) setzt am TNF-alpha an. Der Stoff bindet den im Körper zirkulierenden TFN-alpha und macht ihn biologisch inaktiv. Infliximab (Remicade) ist ein direkter Antikörper gegen TNF-alpha. Es bindet also den TNF-alpha direkt im Blut und setzt auch bei dem Zellrezeptoren an. Damit wird der Entzündungsprozess unterbrochen. Auch das Medikament Adalimumab (Humira) richtet sich gegen den TNF-alpha. Dazu kommt noch Anakinra (Kineret), eine Substanz, die den Rezeptor für Interleukin-1 (ebenfalls ein Stoff, der massiv entzündiliche Prozesse im Körper beeinflusst) blockiert.
Langzeitstudien zeigen, dass die Krankheit deutlich langsamer fortschreitet. Wenn sie im Frühstadium (d. h. innerhalb der ersten zwei Jahre nach Ausbruch) erkannt und schnell behandelt wird, zeichnet sich sogar die Möglichkeit ab, die Krankheit zu stoppen. Jedenfalls bedeutet es für die Patienten, dass es sehr viel langsamer zu den schmerzhaften Veränderung von Gelenken kommt. Damit wird eine Lebensqualität erreicht, die bisher unbekannt war.
Ein paar Wermutstropfen gibt es natürlich auch bei diesen Wirkstoffen. Da sie direkt in das Immunsystem eingreifen, haben es andere Bösewichte leider auch leichter, dem Körper zu schaden. Jede auftretende Infektion während einer Therapie mit den Biologicals muss also ernst genommen werden. Da es sich bei allen um Eiweißstoffe handelt, ist es nicht möglich, sie als Tabletten zu verabreichen, da die Magensäure die Wirkung zunichte machen würde. Es ist also erforderlich, die Medikamente entweder zu spritzen oder über Infusionen zu verabreichen.
Außerdem ist es noch nicht möglich, allen Patienten mit diesen Medikamenten zu helfen. Aufgrund der vielen unterschiedlichen Kommunikationsmechanismen der Körperabwehrzellen gelingt die Blockade des TNF-alpha nicht immer optimal. Große Hoffnungen legt die Forschung dabei auf einen "Cocktail", der verschiedene Zytokine (also etwa TNF-alpha, Inkerleukin-1 und Interleukin-6) hemmt.
Zytokine:
Zytokine sind im Körper natürlich vorkommende Botenstoffe. Durch diese Botenstoffe verständigen sich die Zellen des Immunsystems und koordinieren so den gemeinsamen Kampf gegen Organismen von außen (Infektionen etc.). Botenstoffe sind wie Schlüssel zu einem passenden Schloss (Rezeptor). Sie docken an der Zelloberfläche an und lösen damit eine Reaktion in der Zelle aus. Man unterscheidet Zytokine, die eine Entzündung fördern (pro-inflammatorische) und solche, die eine Entzündung hemmen (anti-inflammatorische). Die pro-inflammatorischen Zytokine machen die Immunabwehr auf das Eindringen eines Fremdkörpers aufmerksam und helfen so dem Abwehrkampf des Körpers. Wenn die Immunabwehr abgeschlossen ist, kommen die anti-inflammatorischen Zytokine zum Einsatz. Unter ihrem Einsatz wird die Entzündung im Normalfall wieder zum Abklingen gebracht. Wenn allerdings das Zusammenspiel der beiden gestört ist, kann es zu chronischen Entzündungen kommen.
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Weg von Schnitzel, Pommes & Co
Immer mehr Menschen suchen in unserer Überflussgesellschaft nach Wegen, gesünder zu leben. Viele wenden sich dabei anderen Formen der Ernährung zu. Welche Möglichkeiten gibt es, und sind sie wirklich gesünder?
Alternative Ernährungsformen gibt es schon seit vielen tausend Jahren. Viele von ihnen entstammen ganzheitlichen Heil- und Gesundheitsssystemen und sind oft mit religiösen Aspekten verbunden. Andere entstanden, weil ihre Begründer durch eine radikale Umstellung ihrer Ernährung gesundheitliche Probleme lindern konnten – und daraus wurde ein Trend. "Man kann beobachten, dass das Hinwenden zu alternativen Kostformen eine stark sozio-ökonomische Beziehung hat", so a. o. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Marktl vom Zentrum für Physiologie und Pathophysiologie an der Universität Wien. Wirtschaftlich besser gestellte Menschen beschäftigen sich also eher mit alternativer Ernährung. "Grundsätzlich ist gegen alternative Kostformen nichts einzuwenden, denn der Mensch hat eine große Anpassungskapazität an andere Formen der Ernährung. Trotzdem sollte man eine Umstellung auch kritisch hinterfragen", stellt Marktl fest. Bei allen Menschen, die einen erhöhten Nährstoffbedarf haben – also Kinder, Schwangere oder Stillende – ist generell Vorsicht geboten. "Einige alternative Ernährungsformen sind für diese Gruppe abzulehnen", zeigt Marktl die Grenzen auf.
Beim Vegetarismus – der auf den griechischen Philosophen Pythagoras zurückgeht – werden ausschließlich oder vorwiegend pflanzliche Lebensmittel verzehrt. Eine vegetarische Lebensweise – mit Eiern und Milchprodukten – kann auch als therapeutische Maßnahme bei so genannten Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht oder Bluthochdruck Sinn machen. "Studien beweisen zwar den Vorteil dieser Ernährungsform, aber es ist nicht klar, ob es an der Ernährung selbst liegt, oder daran, dass diese Menschen grundsätzlich gesundheitsbewusster sind", so Marktl. Veganer ernähren sich im Gegensatz zu Vegetariern rein pflanzlich, d. h. auch ohne Milchprodukte und Eier. Dabei kann es zu einer kritischen Unterversorgung mit Vitaminen und Nährstoffen kommen. Wer sich vegan ernähren will, muss sich sehr genau mit seiner Ernährung beschäftigen. Für Säuglinge und Kinder ist davon abzuraten.
Die Makrobiotik ist eine Form, die im chinesischen Taoismus begründet ist. Krankheit wird als Ungleichgewicht zwischen den entgegengesetzten Energietendenzen Yin und Yang angesehen. Die wichtigste Nahrungsgrundlage ist Vollgetreide. Bei der ursprünglichen Kost nach Ohsawa – hier wird ausschließlich Getreide verzehrt – ist abzulehnen. Eine abgemilderte Form nach Kushi enthält auch Hülsenfrüchte, frisches Gemüse, Soja, Algen und ein wenig Fisch. Kein Fleisch, keine Milch, kein Tee, keine Genussmittel. "Bei der Makrobiotik kann es zu Mangelerscheinungen kommen, da die Lebensmittelauswahl stark eingeschränkt ist. Für Kinder ist diese Ernährung gefährlich. Grundsätzlich sollte man sich bei allen fernöstlichen Ernährungsformen die Frage stellen, inwieweit es sinnvoll ist, sie isoliert – also außerhalb ihres gesellschaftlichen Umfeldes – zu praktizieren. Sich nur die Elemente herauszunehmen, die einem passen, ist vermutlich nicht zielführend", schrenkt Marktl ein.
Die chinesiche Ernährungslehre basiert ebenfalls auf dem Prinzip von Yin und Yang. Hier werden alle Lebensmitteln diesen beiden Eigenschaften zugeordnet und dann kommt es auf die richtige Zusammenstellung an. Der Ernährungsplan soll eine Harmonie herstellen. Die Ernährungslehre hat auch einen starken Zusammenhang mit der Traditionellen Chinesischen Medizin. Auch hier gilt: im Prinzip eine Lebenseinstellung. Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist diese Kostform eine abwechslungsreiche Mischkost und durchaus zu empfehlen.
Die Antroposophische Ernährungslehre geht auf den Österreicher Rudolf Steiner zurück. Sie basiert auf der Annahme dass sowohl Pflanzen als auch Menschen dreigliedrige Organismen sind. Der Wurzelbereich als Aufnahmeorgan der Pflanze wirkt beim Menschen auf den Nerven-Sinnesbereich. Der Blatt-Stengel-Bereich wirkt auf Atmung und Kreislauf. Die Blüten- und Fruchtbildung wirkt auf die Fortpflanzungsorgane und den Stoffwechsel des Menschen. Eine Mahlzeit ist demzufolge vollwertig, wenn sie alle Teile der Pflanze enthält. Im Mittelpunkt dieser Kostform steht Getreide – und zwar alle Arten. Auch Milchprodukte und Zucker sind erlaubt. Aber auch Gemüse, roh und gekocht, ist wichtig. "Diese Form ist durchaus zu empfehlen, da wenig Fleisch, Fett oder Alkohol erlaubt ist und die Zusammenstellung ausreichend Abwechslung bietet", so Marktl.
Der amerikanische Arzt Howard Hay begründete zu Beginn des 20. Jahrhundert die Trennkost. Seiner Meinung nach sollen Kohlenhydrate und Eiweiß nicht gemeinsam gegessen werden, da es dabei zu einer ungenügenden Verdauung und zu einer Ansammlung von Säuren kommt. "Ernährungsphysiologisch Unsinn, denn der Mensch ist zur gemeinsamen Verdauung von Eiweiß und Kohlendydraten ausgelegt", widerlegt Marktl die theoretischen Grundlagen dieser Kostform. Da bei der Trennkost zwar viel Obst und Gemüse gegessen wird, aber nur wenig Getreide, Fleisch, Fisch oder Käse, kann es langfristig zu Mangelversorgung kommen. Viele moderne Trennkost-Diäten haben mit dem Original nur noch wenig zu tun. Es handelt sich dabei eigentlich um eine ausgewogene Mischkost, die jedoch energiearm ist – daher die kurzfristige Gewichtsabnahme.
Die Vollwert-Ernährung basiert auf wissenschaftlichen Grundlagen. Die Basis ist, dass die Nahrung so natürlich und so wenig wie möglich verarbeitet sein sollte. Es handelt sich um eine überwiegend lakto-vegetabile Ernährungsform. Hauptsächlich verwendete Lebensmittel sind Vollkornprodukte, Gemüse, Obst, Kartoffeln, Hülsenfrüche, Milch und Milchprodukte. Auch geringe Mengen an Fleisch, Fisch und Eiern sind erlaubt. Die Hälfte der Nahrung besteht aus Rohkost. Nahrungsmittel mit Zusatzstoffen sollten vermieden werden. "Die Vollwert-Kost kann durchaus als Dauerkost eingesetzt werden, Mangelerscheinungen sind hier nicht zu erwarten", stellt Marktl dieser Ernährungsform ein gutes Zeugnis aus.
Alle Ernährungsformen haben also Vor- und Nachteile. Man sollte grundsätzlich vorsichtig sein, wenn eine Ernährungsempfehlung allzu große Einschränkungen beinhaltet. Denn je mehr man die Auswahl der Nahrungsmittel einschränkt, desto größer wird die Gefahr, dass Mangelerscheinungen auftreten. Menschen, die unter Funktionsstörungen – etwa des Magen-Darm-Traktes oder der Nieren – leiden, sollten besonders darauf achten, ob sich diese durch die Ernährungsumstellung verschlechtern. Hier ist Vorsicht geboten und eine Abklärung durch den Arzt sollte man vornehmen. "Man sollte sich auch davor hüten, die Ernährung als einzigen Grund für Krankheit oder Gesundheit zu sehen", so Marktl. Dadurch erhielte sie einen Stellenwert, den sie einfach nicht hat. Dass man bestimmte Krankheiten wie Krebs oder Nierenleiden mit einer simplen Ernährungsumstellung heilen kann, sei eine durchaus gefährliche Behauptung. "Der Einzelne mag für sich das Gefühl haben, dass das so stimmt, aber es auf alle Menschen umzulegen, geht einfach nicht", plädiert Marktl für einen vernünftigen Umgang mit der Ernährung.
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